Eseltrekking in Portugal – auf dem Caminho Central

Unter Pilgern ist zu Unrecht nur der “Camino Portugues“  als Jakobsweg in Portugal bekannt. Der Streckenabschnitt des Caminho Central im Alentejo von Santiago do Cacém nach Alcácer do Sal ist durch die unterschiedliche Geomorphologie und deren Vegetation sehr abwechslungsreich. Die Tagestemperaturen im Februar sind mit 12°C ideal zum Wandern. Zahlreiche Störche bauen ihre Nester und klappern ihre Liebesweisen. Kleine, wilde Vertreter von Frühblühern recken sich am Wegesrand keck in die Sonne. Keine Hitze, die einem entgegenschlägt, (noch) keine Insekten, die einen belästigen – es ist einfach nur schön im Alentejo des Frühlings!

Aller Anfang ist schwer

der beste Ehemann der Welt sorgt für Sancho und mich
Support bedeutet auch Heu für Sancho

In der ersten Woche wanderten wir von Odemira bis nach Santiago do Cacém mehr oder weniger auf der Rota Vicentina (s. Reisebericht “Start ins Abenteuer”). Nun ging es weiter für uns auf dem Caminho Central. Eine Woche hatten Sancho und ich Zeit, um uns unbeschwert – also ohne Gepäck – kennenzulernen. In Santiago do Cacém hieß es für uns, Abschied vom Support zu nehmen, den der beste Ehemann der Welt bis dahin geleistet hatte. Zwangsläufig musste ich vor seiner Abreise die endgültige Auswahl für unsere Ausrüstung treffen. Was würden wir in den nächsten Monaten benötigen? Was war überflüssig?

Ausrüstung Eseltrekking unterm Tarp

Für den Esel nahm ich neben Putzbox, Anbindevorrichtung, Falteimer und Elektrozaun vorsichtshalber noch Hufschuhe und das Hintergeschirr zur Stabilisierung des Packsattels mit, obwohl wir beides bisher nicht benötigt hatten. Um Sancho täglich mit den wichtigsten Mineralien und Spurenelementen zu versorgen, landeten auch “Weide-Riegel” im Gepäck – ein komprimiertes Ergänzungsfuttermittel für Pferde mit viel Weidegang. Zwei (leere) Wassersäcke, um abends frisches Wasser zu organisieren, und ein einfacher Leinensack für den Transport für Heu, liebevoll die “dicke Bertha” genannt, schienen mir ebenfalls sehr hilfreiche Utensilien zu sein, die uns begleiten sollten. Auch wählte ich ein Hufpflegeset für Wanderreiter aus, was sich aber für den Gebrauch im Laufe der Reise als untauglich herausstellen sollte.

Abschied vom Support mit Sack und Pack

Die beiden Packsatteltaschen mit unser beider Ausrüstung und dem Proviant waren prall voll. Sie wogen jetzt jeweils zwischen 18 und 20 Kilogramm. Hinzu kam für Sancho noch die Auflast bestehend aus dem Zelt, Utensilien für den Elektro-Zaun und meiner Campingliege. Letztere ist purer Trekking-Luxus! Sancho musste ab jetzt 60 Kilogramm schleppen, während ich noch weitere 15 Kilogramm in meinem Rucksack trug. Ganz schön viel “stuff”!

Santiago do Cacém

Kein Pilgerstempel

Wir nutzten die letzten Tage mit motorisiertem Untersatz, um Proviant zu kaufen, meine Wäsche zu waschen und Santiago do Cacém zu erkunden. Bereits im Mittelalter ein wichtiger Wegpunkt auf dem portugiesischen Jakobsweg, der von der Küste nach Norden auf Santiago de Compostela hinführte. Nicht umsonst tragen beide Städte den Namen “Santiago”, der sich vom lateinischen “Sanctus Iacobus” (heiliger Jakobus) ableitet.

Die Hauptkirche war aber leider an diesem Tag geschlossen (Rosenmontag). Ich hatte mich auf meinen ersten Stempel in meinem Pilgerausweis gefreut – daraus wurde leider nichts. Trotzdem fanden wir einige Relikte, die auf die alte Pilgertradition und den Orden von Santiago (genauer Orden des heiligen Jakob vom Schwert) hinwiesen. So zum Beispiel Schlusssteine aus dem 16. Jahrhundert, die mit Jakobsmuscheln und Kreuzen des Ordens verziert sind.Das von den Ordensrittern verwendete Jakobskreuz weist an den beiden seitlichen Armen die Form einer Lilie auf, während der obere und der untere Arm einem Schwert nachempfunden sind.

Auf dem Caminho ist der Weg das Ziel

Teilstrecke Camino Portugues Central

Unser geplanter Weg auf dem Caminho Central umfasste drei offizielle Etappen:

  1. von Santiago do Cacém nach Roncão (22 km)
  2. von Roncão nach Grândola (23 km)
  3. von Grândola nach Alcácer do Sal (33 km)

Die rund 90 Kilometer habe ich mit meinem Esel in sechs Tagen absolviert. Im Gegensatz zu normalen Pilgern mit Rucksack suchen wir zum Übernachten nach Plätzen abseits der Zivilisation mit leckerem Gras für Sancho.

Ab jetzt alleine mit Sancho

Aber unsere erste Herausforderung bestand darin, den Caminho (wieder) zu finden. Vor dem Abschied vom besten Ehemann der Welt hatten wir uns zwei Nächte auf einem östlich vom Jakobsweg gelegenen Campingplatz bei São Bartolomeu da Serra eingemietet. Der erste Abschnitt auf dem Caminho Central schien mir unattraktiv, da er relativ lange auf einer Straße führte. Deshalb entschied ich mich, auf landwirtschaftliche Wege etwas östlich auszuweichen. Da ich glücklicher Besitzer einer Premiummitgliedschaft bei Komoot bin („Schalten Sie jetzt die ganze Welt frei“), nutze ich diese App für die Planung und Aufzeichnung meiner Touren. 

keine Alternative zum Jakobsweg

Wie ich bald erfahren musste, ist es nicht immer gut, auf die Wegvorschläge von Frau Komoot einzugehen. Nebenstehend ein verzweifelter Versuch, den Komoot-Weg zu finden. Immer wieder standen Sancho und ich vor Stacheldrahtzäunen mit laveden Behelfstoren, die zu öffnen und zu schließen waren. Natürlich immer mit der Hoffnung verbunden, dass sich auf der nächsten Koppel nicht ein wütender Stier befindet. Teilweise gab es auf der anderen Seite der Koppel kein Tor (mehr?) – Sackgasse! An unserem ersten Tag gab ich den verzweifelten Versuch, den Caminho Central zu finden, nach ca. 7 km auf und campierte mit Sancho neben einem kleinen Bächlein.

Gelber Pfeil am Caminho Central

Der Caminho ist in Portugal durchgängig mit dem gelben Pfeil oder Schildern mit der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund markiert. Man ist gut beraten, die örtlichen Wegweiser zu nutzen. Erleichterung machte sich in mir breit, als ich nach unseren Irrwegen des ersten Tages wieder den gelben Pfeil auf dem Weg entdeckte.

Fähre für Pilger

Allerdings gibt es auf dem Pilgerweg für Eseltrekker auch Grenzen, wenn es beispielsweise Passagen mit Fähren gibt. Das nebenstehende Bild zeigt die Fähre des Caminho Central zwischen Grândola und Alcacèr do Sal. Ein paar Ruderboote, die von dem Café-Besitzer des Dorfes auf Anfrage „betrieben“ werden.

“Montados” - ein uraltes Rezept für Biodiversität

Montados soweit das Auge reicht

Auf dem Streckenabschnitt von Santiago do Cacém bis nach Grândola, in der sogenannten “Serra de Grândola”, dominieren die Korkeichenwälder entlang des Caminho Central. Mit ihren ausladenden Kronen sind sie charakteristisch für den Alentejo. Im mediterranen Klima hat sich dort seit Jahrtausenden eine einzigartige Kulturlandschaft herausgebildet: Der Montado. Sanft gewelltes Weideland – pittoresk überzogen von weit auseinanderstehenden, uralten Eichen (Kork- oder Steineichen). Durch die extensive Bewirtschaftung ist die Biodiversität in den Montados extrem hoch. Die vielen Blüten und Kräuter sind attraktiv für Insekten, die wiederum die Vogelvielfalt begünstigen. 

geschälte Korkeiche

Die Korkeiche werden für die Korkgewinnung ca. alle 10 Jahre geschält. Die Korkeichenwälder dienen zusätzlich als Weidefläche für die halbwilden Iberischen Schweine und für Schafe, aber auch Rinder tummeln sich derweilen unter den Korkeichen. Diese Form der Nutzung ist ein sehr nachhaltiges Konzept. Eine Korkeiche kann das erste Mal nach ca. 25 Jahren geschält werden – ein Generationenprojekt.

Schnelleres Geld verspricht der Anbau von Eukalyptus. Er ist schon nach acht bis zehn Jahren erntereif für die Zellstoffherstellung oder als Energiequelle beispielsweise für “grünen” Stahl. Unser Weg führte uns auf der Rota Vicentina auch kilometerlang durch solche Eukalyptus-Monokulturen. Sie unterdrücken andere Pflanzen durch ihre ätherischen Öle und laugen die Böden stark aus. Es war teilweise sehr gruselig, durch diese Bestände zu laufen, ohne einen Pieps eines Vogels zu hören, weil sie quasi ökologisch tot sind.

abgestorbene Korkeiche

Sancho und ich genossen unseren Weg jenseits der Zivilisation unter wunderschönen Korkeichen – Sanchos Lieblingsbäume, wenn es darum geht, sich ausgiebig zu schubbern. Der Allgemeinzustand dieser einzigartigen Bäume in Portugal ist leider kein guter. Ich war froh, diese Kulturlandschaft so intensiv erleben zu dürfen, aber wie lange wird es sie noch geben? Seit den 70er Jahren ist ein Sterben von Kork- und Steineichen in Portugal zu beobachten, das einem pilzartigen Erreger zugeschrieben wird. Weitere Faktoren wie Wasserstress, fehlender Pflegeschnitte der Bäume und Bodenverdichtung scheinen einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Sterben zu haben.

lost place im Alentejo

Auf unserem Weg kamen wir an einigen eingefallenen Gehöften vorbei, denn der Korkanbau in kleinem Stil ist kein lohnendes Geschäft. Nicht genutzte Montados sind nicht nur an den Ruinen, sondern auch am aufkommenden Buschbewuchs zu erkennen.

Zistrose

Hauptsächlich Zistrosen – ein invasiver Strauch – wuchern überall, wo die Korkeichenhaine nicht mehr bewirtschaftet werden. Sie blühen zwar hübsch, aber machen den Korkeichen Extra-Wasserstress. Während sich die Korkeichen in den Sommermonaten mit dem Wasser haushalten und weniger aufnehmen, saufen die Zistrosen lustig weiter.

Blick auf Grandola

Noch die Einsamkeit der Natur genießend erblickten Sancho und ich schon von Weitem die Stadt Grândola. Hinter ihr erstreckt sich eine wesentlich flachere Landschaft. Wie wir später feststellten hauptsächlich Sandböden, auf denen häufig Pinien kultiviert werden. Aber zunächst erwarteten uns die die Tücken der Zivilisation… zumindest aus Sicht eines Esels.

Grândola oder “ein Brückentag”

Querung der Schnellstraße vor Grandola

Während Arbeitnehmer sich in der Regel über sogenannte Brückentage freuen, wird es dem Eseltrekker bei dem Gedanken daran eher grausen. Nicht umsonst gibt es den Begriff der Eselsbrücke, der synonym für eine sichere Gedankenstütze verwendet wird. Der vorsichtige Esel benutzt diese Brücke in Realita nur dann, wenn er sich ganz sicher ist, dass sie keine Gefahr für ihn birgt. Als Eselführer bedeutet das ohne zu zögern diese Brücke zu überschreiten. Ist der Esel einmal stehen geblieben, um darüber nachzudenken, ob die Brücke sicher ist, hat man meist schon verloren.

Fußgängerbrücke über Schnellstraße

Unsere Passage durch Grândola fing mit einer echten Herausforderung an: eine Fußgängerbrücke über eine Autobahn. Mindestens fünf Meter hoch und gerade so breit wie ein Esel mit Packtaschen. Sie war als Rampe ausgeführt mit 180° Wendungen! Da ich selbst ein Höhenschisser bin, war mir bei diesem Anblick mulmig. Meine Angst versuchte ich mit Singen zu kaschieren, also betrat ich singend (natürlich das legendäre Lied der Nelkenrevolution „Grândola, Vila Morena“) mit wackeligen Knien diese Konstruktion. Sancho zögerte nur einmal kurz ganz oben, als er gewahr wurde, dass die Autos unter ihm durchsausten.

Was war ich stolz auf uns, als wir dieses Bauwerk hinter uns gebracht hatten!

Sancho Don Burro wird bestaunt

Auf den Straßen in Grândola liefen die Leute zusammen, um Sancho zu bestaunen. Leider spreche ich kein Portugiesisch, so dass ich auf die vielen Fragen, die sie an mich hatten, nur mit Achselzucken reagieren konnte. Trotzdem halfen mir wildfremde Menschen ein öffentliches Gebäude zu finden, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Diese Herzlichkeit ist uns während unserer gesamten Reise immer wieder entgegengeschlagen. Esel sind wahre Herzensöffner.

Keinen Fuß setze ich auf diese Planken!

Im Städtchen selbst gab es einen Straßenabschnitt, der grundhaft saniert wurde. Ein nicht tiefer Rohrgraben wurde ordnungsgemäß mit Behelfsübergängen versehen. Diese ca. 1 m breite und 1,50 m lange „Brücke“ war für Sancho ein in jedem Fall zu vermeidendes Objekt. Eine halbe Stunde versuchte ich, Sancho zu überzeugen, drüber zu gehen. Eine alte Dame kam vorbei und schleuderte wild ihre Handtasche in der Luft von „Vai, vai“-Rufen begleitet, ein Baustellenarbeiter übergab mir seinen Apfel, den ich scheibchenweise als Lockmittel auslegte. Es half alles nichts, Sancho bewegte sich keinen Millimeter! Also mussten wir eine Alternativroute nehmen, die unseren Weg um einen guten Kilometer verlängerte.

Auf Abwegen durch Pinienhaine

Erleichtert ließen wir den Trubel der Stadt hinter uns und liefen weiter in Richtung Alcácer do Sal. Auf diesem Abschnitt kreuzt der Caminho Central zweimal die Autobahn. Mit dem Gedanken an unser Brückenerlebnis direkt vor Grândola wollte ich weitere abenteuerliche Überführungen vermeiden. Wir wichen daher vom Caminho ab. Unser Weg führte uns weiter auf einer breiten Schotterpiste durch eingezäunte Pinienhaine. Immer mal wieder fuhren Autos und Kleintransporter an uns vorbei, die eine dichte Staubwolke hinter sich her zogen. Der schmale Grünstreifen zwischen Straße und Zaun war ganz grau vom Staub.

Betreten des Pinienhains verboten

Im Gegensatz zu den Montados waren die Pinienhaine nicht zugänglich. Die Tore waren mit großen Schlössern gesichert. Ich nahm an, dass es sich um Kulturen zur Ernte von Pinienkernen handelte. Die Samen werden hauptsächlich von wildwachsenden Bäumen geerntet, die erst nach 20 Jahren das erste Mal Pinienzapfen tragen. Und wenn es endlich so weit ist, können die Pinienkerne nur alle drei Jahre in viel Handarbeit geerntet werden. Sie sind entsprechend wertvoll und werden relativ teuer gehandelt. Zum ersten Mal auf unserer Reise war das Finden eines geeigneten Schlafplatzes schwierig.

karges Nachtlager für Sancho

Während unsere Schatten immer länger wurden, weil sich die Sonne zum Untergehen anschickte, gab es links und rechts kein Schlupfloch, in dem wir der Schotterpiste hätten entkommen können. Die Straße führte uns zwangsläufig in Richtung der Autobahn, die ich vermeiden wollte.
Direkt an der Autobahn fanden wir dann in der Dämmerung eine alte Baustelleneinrichtung. Das karge Gras auf dem verdichteten Boden musste Sancho in dieser Nacht genügen. In der hereinbrechenden Dunkelheit baute ich zügig den Weidezaun und Zelt auf – keine Minute zu früh, bevor auch das letzte Tageslicht verschwand.

Alcacér do Sal

Reisfelder vor Alcacer do Sal

Die Flussebene des Rio Sado um Alcácer do Sal wird hauptsächlich als Reisanbaugebiet mit zahlreichen wasserbaulichen Anlagen zur großflächigen Bewässerung genutzt. Glücklicherweise passierten wir diese Region im erwachenden Frühling. Insbesondere die Mückenpopulation soll im Sommer sehr lästig sein.

Gemeinschaftsraum der Kommune

Nach sechs Tagen Laufen gönnten wir uns in der Kommune „Pacha Mama“ eine Pause. Ein sehr individuell gestalteter Platz mit einer illustren Gesellschaft, die uns herzlich empfing. Ein ausrangierter und umgebauter Kleinbus war in dieser Zeit meine Unterkunft. Ich war froh, in den noch sehr kalten Nächten eine beheizbare Schlafgelegenheit zu haben.

Sancho genießt Bewegungsfreiheit

Sancho hatte die Erlaubnis, sich frei auf dem Gelände zu bewegen. Allerdings hatten das auch die zahlreichen Hunde und kleinen Kinder. Ein paar Hunde fühlten sich bemüßigt, Sancho zu zeigen, wer denn auf dem Platz das Sagen hat. Da Esel aber eher wehrhaft sind, drehte Sancho den Spieß herum und der Esel jagte die unliebsamen Hunde über den Platz. Aus Sicherheitsgründen stellte ich Sancho tagsüber lieber zu der Schafherde des Hofes.

Kastell von Alcacer do Sal

Meinen Ruhetag nutzte ich für einen kurzen Stadtbesuch ohne Esel … und erhielt dort auch meinen ersten Stempel im Pilgerpass! Alcácer do Sal ist für seine mittelalterliche Burg bekannt, die auf einem Hügel thront und die gesamte Stadt überragt. Die Ursprünge der Burg gehen auf die Zeit der Mauren zurück (Al-Kassr bedeutet „Burg“ auf Arabisch). Sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung der Region während verschiedener historischer Konflikte. Nach der Eroberung durch die portugiesischen Truppen wurde sie an den Orden von Santiago übergeben und von den Ordensrittern als Hauptquartier genutzt.

Fazit

iberische Jakobswege

In Portugal gibt es im Wesentlichen zwei Fernwanderwegenetze, die sehr gut ausgeschildert und im wahrsten Sinne des Wortes „durchgängig“ sind. Die Rota Vicentina, die sich im Westen des Landes befindet, sowie das Wegenetz der Jakobswege (“Caminhos” in Portugal). Nur die wenigsten Pilger außerhalb Portugals wissen, dass das Jakobswegenetz in Portugal mehr als nur der “Camino Portugues“ zwischen Porto und Santiago de Compostela ist. Zwei Jakobswege starten in der Algarve ganz im Süden und verlaufen durch ganz Portugal. Der “Caminho Central” beginnt in Faro und der “Caminho Nascente” weiter östlich in Tavira.

Mit meinem Esel Sancho lief ich einen ca. 90 Kilometer langen Streckenabschnitt des Caminho Central im südlich gelegenen Alentejo von Santiago do Cacém bis Alcácer do Sal. Abgeschiedenheit und Ruhe sind hier durch die dünne Besiedelung garantiert. Bevor wir uns dem dichter besiedelten Gebiet rund um Lissabon näherten, verließen wir den Caminho Central, um ab Èvora auf dem Caminho Nascente weiter zu laufen.

Ein erheblicher Teil der Strecke führt durch Privatgrundstücke, hauptsächlich durch extensiv genutzte Weiden. Auch wenn es lästig ist, müssen die Gatter stets so verlassen werden, wie sie vorgefunden wurden – also in 95% der Fälle verschlossen – auch wenn man gerade kein Weidevieh sieht.

Mit dem Esel unterwegs zu sein bedeutet weitestgehende Autarkie, was das Nachtlager betrifft. Andererseits müssen Hindernisse überwunden oder umgangen werden, die der Pilger ohne Esel nicht hat, beispielsweise Querungen von Straßen, von Flüssen oder einfach nur von Holzplanken auf Baustellen. Manchmal bedarf es dann besonderer Überredungskunst oder einer alternativen Wegführung.

Mücken in der warmen Jahreszeit sind lästig

Ende Februar waren die Tagestemperaturen bei 12°C sehr angenehm zum Wandern, in den Nächten sank die Temperatur teilweise unter den Gefrierpunkt. Das ist zwar beim Zelten in der Natur unangenehm, aber nicht nur für uns, sondern auch für die Insekten. Letztere ließen uns zu dieser Jahreszeit in Ruhe.

Ruhetag

Nach unserer ersten Woche ohne die Unterstützung des besten Ehemanns der Welt, war ich froh, einen Ruhetag in einer beheizbaren Unterkunft mit warmer Dusche zu verbringen. Durch das Eseltrekking wird mir immer wieder bewusst, wie luxuriös wir es Zuhause in unserer Komfort-Zone haben, und wie wenig wir doch tatsächlich benötigen, um glücklich zu sein!

Impressionen vom Caminho Central

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